Alte Mühle ist noch nicht gerettet

Seit vielen Jahren wird in der Stadt über die Stockleffmühle in der nördlichen Innenstadt diskutiert. Das Bauwerk, dessen Ursprünge auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, ist rundherum baufällig und steht leer. Der Arbeitskreis Stadtentwicklung und Verkehr im SPD-Stadtverband befasste sich ausführlich mit den Konzepten für den Erhalt des Gebäudes zwischen dem Quartier „Leinebogen“ und dem Waageplatz.

Die Städtische Wohnungsbau-Gesellschaft hatte von der Stadt Göttingen schon in der Amtszeit von Oberbürgermeister Wolfgang Meyer den Auftrag übernommen, die Machbarkeit des Mühlen-Erhalts zu ergründen. Einer der Fachleute, die sich intensiv in die Arbeit stürzten, ist Sergio Pascolo. Der Architekt aus Venedig zeichnete bereits für die „roten Häuser“ der Städtischen Wohnungsbau am Fuße der Zietenterrassen verantwortlich. In der Diskussion im SPD-Arbeitskreis machte er deutlich, dass die Herausforderungen groß, aber lösbar sind. Dafür muss aber die künftige Nutzung stimmen, betonte Claudia Leuner-Haverich, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbau.

Naheliegend ist eine Nutzung, die bis zum Bau des alten Stadtbades Ende der 60er Jahre aus zwei Gebäudeteilen bestand, mit Gastronomie. Das würde die Aufenthaltsqualität in der Nähe des Leinekanals erheblich steigern. Allerdings unterliegt die große Mauer zwischen Mühlengebäude und Kanal dem Denkmalschutz. Sie steht im Westen, verschattet also einen Teil der Nutzfläche.

Die Machbarkeitsstudie der Fachleute, zu der auch eine österreichische Spezialfirma für Holzbau gehört, benennt zwei Varianten. Beim Konzept „Sanierung und Erneuerung“ soll der Dachstuhl originalgetreu repariert werden, und es wird eine Stahlkonstruktion zur Stabilisierung des Gebäudes eingezogen. Teile des Fachwerks und des Mauerwerks könnten erhalten werden. Variante 2 setzt auf die Erneuerung der Mühle mit einem transparenten Dachstuhl und einem Anbau, mit dem deutliche architektonische Akzente gesetzt würden. Finanziell ist Variante 2 mit weniger Risiken behaftet, landet aber bei den ersten Berechnungen dennoch bei 2,7 Millionen Euro.

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Die schattenspendende Mauer darf nicht weg.

Mit der Arbeitskreis-Diskussion und den bisherigen Präsentationen in den Ratsgremien ist die Diskussion über die Zukunft der „Großen Mühle“ und eines zentralen Innenstadtquartiers noch lange nicht beendet. Im Gegenteil: Sie hat eigentlich erst begonnen. Und sie ist auch nötig im Sinne eines öffentlichen Diskurses, an dem am Ende hoffentlich ein Konsens steht. (gaf)

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Baufällig ist die Stockleffmühle am Leinekanal. Deshalb musste sie abgestützt werden.

Benannt ist die Stockleffmühle nach einem Göttinger Bürgergeschlecht. Seit 1305 ist die Mühle durch die verliehene „Mehlmetze“ (Mahlzwang) bekannt. Nach dem Abriss der Weender Mühle 1492 wurde die Stockleffmühle um 1500 erweitert, die seitdem auch Große Mühle genannt wird. Sie besaß acht Mahlwerke und ein Schlagwerk. Aus dieser Zeit stammt vermutlich die bis heute erhaltene westliche Mauer am Leinekanal. Das heutige Mühlengebäude stammt vom Beginn des 17. Jahrhunderts. 1882 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt, das Gebäude als Lagerraum verpachtet. 1924 ließ die Stadt Wohnungen einbauen. Für den Bau der beiden Stadtbäder wurde zunächst 1906 und dann 1967 der nördliche Teil des Mühlengebäudes abgerissen. Zeitweise wohnte der Bademeister des Stadtbades in dem restlichen Gebäude.

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